In welche ETFs soll ich investieren? Eine Orientierung für Anfänger

Dieser Artikel ist für dich, wenn…

Du hast dich mit den Chancen und Risiken vertraut gemacht, die Investitionen in den Finanzmarkt bieten. Du hast ein Haushaltsbuch geführt, du hast dir ein Budget aufgestellt UND dein Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto ist ausreichend gefüllt. Jetzt hast du einen monatlichen Betrag übrig, den du in den nächsten Jahren (besser länger) nicht brauchst und investieren möchtest. Eine gute Entscheidung! Oder du möchtest zusätzlich monatlich einen Betrag für die Altersvorsorge zur Seite legen. Spitze!

Wie man konkrete ETFs bei deinem Depot kauft, kann ich hier leider nicht erläutern. Hier geht es eher generell darum, welche ETFs wir unseren Freunden oder Familien im Moment empfehlen würde. Aber es gibt noch ein paar andere Artikel, die ich hier kurz verlinken möchte.

Hier findest du heraus, wie du die günstigsten ETFs für deine Bank findest (Tutorial.) Dies funktioniert sowohl für Sparpläne als auch für einmalige Investitionen.

Hier zeigen wir am Beispiel ING App oder Web, wie du für diese konkreten ETFs einen monatlichen Sparplan einrichtest.

Hier erfährst du, warum wir im Moment die ING als Depot-Anbieter wärmstens empfehlen.

Welche ETFs soll ich wählen?

In welche ETFs soll ich investieren?

Wenn du 20 Leute fragst, wirst du 20 unterschiedliche Antworten bekommen. Zum Glück sind viele davon ganz ähnlich und am Ende musst du nur die Details entscheiden. Ich schlage dir hier drei mögliche und sehr einfache Strategien für Anfänger:innen am Finanzmarkt vor. Wenn du eine Zeit im Geschäft bist und vertrauen gefasst hast, kannst du deine eigene Strategie vielleicht anpassen.

Aber für den Anfang und für Anfänger: Mach es dir nicht zu schwer! Das schöne an ETFs ist ja, dass das Portfolio bereits breit regional und unterschiedliche Branchen diversifiziert ist. Das bedeutet, das Risiko wurde über alle Unternehmen und Regionen verteilt, die in einem ETF enthalten sind. Das ist für dich und deinen langfristigen Vermögensaufbau super und ein weiterer Grund sich für günstige Indexfonds zu entscheiden.

STRATEGIE 1: Ein ETF sie zu knechten

Am Allereinfachsten ist es, wenn du also nur in einen Indexfond investiert, der den gesamten Weltmarkt abbildet. Die meisten nehmen einen ETF der dem MSCI World folgt. Dieser Weltaktienindex beinhaltet ungefähr 1.560 Unternehmen. Wenn du in einen ETF investierst, der den MSCI World nachbildet, verteilst du dein Investitionsrisiko also auf fast 1.600 Unternehmen.

Das Elegante an dieser Strategie ist, dass du nur einen einzigen Sparplan mit einem einzigen ETF anlegen musst und trotzdem ein breit diversifiziertes Portfolio mit sehr guten Wachstumschancen hast.

Tatsächlich werden die Unternehmen entsprechend ihrer Marktkapitalisierung gewichetet. Ein Schwergewicht wie Apple hat also einen deutlich größeren Anteil in deinem Depot als kleinere Unternehmen (etwa 4 Prozent deines Geldes steckt dann quasi in Apple).

Hier sind zwei Beispiele mit günstigen Gesamtkosten, damit du dir ein Bild machen kannst. Die folgenden Beispiel sind (noch) keine Kaufempfehlung für diese konkreten ETFs, sondern sollen nur als Anhaltspunkt dienen. Beide ETFs schütten keine Dividenden aus, sondern legen sie direkt wieder an. Das ist sinnvoll!

regulärmit Fokus auf Nachhaltigkeit
Beispiel-ETF
MSCI World
Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF – Acc
ISIN LU1781541179
Gesamtkostenquote (TER): 0,12% p.a.
iShares MSCI World ESG Enhanced UCITS ETF
ISIN
IE00BG11HV38
Gesamtkostenquote (TER): 0,20% p.a.

Beachte auch, dass im sogenannten Weltindex ein Großteil der Werte US-Amerikanisch sind. Die Süddeutsche Zeitung hat argumentiert, dass die meisten Investoren damit ihr Risiko gar nicht so breit über die Regionen streuen wie gedacht. Finanztip wiederum argumentiert, dass sei gar nicht so schlimm und dieser Einschätzung schließe ich mich an.

Wer seine Investitionen aber etwas breiter streuen will, dem empfehle ich Strategie 2.

STRATEGIE 2: eine gute Kombination

Ich selbst habe eine zeitlang zusätzlich zum MSCI World einen weiteren ETF gekauft, der einen Fokus auf wachsende Märkte wie China und Brasilien hatte und damit den sehr westlich (und japanisch) geprägten MSCI World gut ergänzt: der MSCI Emerging Markets.

In diesem ETF sind circa 1.420 Unternehmen enthalten, die in 27 aufstrebenden Ländern der Welt ansäßig sind. Das sind allen voran China, Taiwan, Südkorea, Indien und Brasilien.

Eine gute Strategie wäre etwa eine Aufteilung mit 60 % MSCI World ETF und 40 % MSCI Emerging Markets ETF. Dies ist mit etwas höheren Risiken als auch höheren Chancen verbunden. Wer daher möchte, kann auch eine Aufteilung von 70 % / 30 % wählen.

Beispieleregulärmit Fokus auf Nachhaltigkeit (ESG)
MSCI World
(60 bis 70%)
Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF
ISIN LU1781541179
Gesamtkostenquote (TER): 0,12% p.a.
iShares MSCI World ESG Enhanced UCITS ETF
ISIN
IE00BG11HV38
Gesamtkostenquote (TER): 0,20% p.a.
MSCI Emerging
Markets
(30 bis 40%)
Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF 1C
ISIN IE00BTJRMP35
Gesamtkostenquote (TER): 0,18% p.a.
iShares MSCI EM ESG Enhanced UCITS ETF USD
ISIN IE00BHZPJ239
Gesamtkostenquote (TER): 0,18% p.a.

STRATEGIE 3: Der Weltmarkt in vier ETFs

Wie von der Süddeuten vorgeschlagen, kann sich der gewiefte Anleger selbst einen besser abgebildeten Weltmarkt als den MSCI World ins Depot holen, indem er in vier verschiedene regionale ETFs investiert. Diese Strategie, die ich selbst nutze, kommt also der Idee den ganzen Weltmarkt im Depot zu haben, um sein Risiko regional gut zu streuen, etwas näher.

Um dies zu tun, wählst du für deine Käufe oder Sparpläne die folgende Aufteilung: Wer zu 26 Prozent auf den Index MSCI USA setzt, zu 41 Prozent mit dem MSCI World Emerging Markets Schwellenländer beimischt, zu 27 Prozent den MSCI Europe hinzunimmt und mit 6 Prozent auch den MSCI Japan nicht vergisst, der zeichnet die wahre Weltwirtschaft ziemlich gut nach. 

MSCI Japan: 6 Prozent des Depots
MSCI USA: 26 Prozent des Depots
MSCI Europa: 27 Prozent des Depots
MSCI Emerging Markets: 41 Prozent des Depots

regulärmit Fokus auf Nachhaltigkeit (ESG)
MSCI Japan
(6%)
Lyxor Core MSCI Japan (DR) UCITS ETF – Acc
ISIN LU1781541252
Gesamtkostenquote (TER): 0,12% p.a.
iShares MSCI Japan ESG Enhanced UCITS ETF USD (Acc)
ISIN
IE00BHZPJ452
Gesamtkostenquote (TER): 0,15% p.a.
MSCI USA
(26%)
Invesco MSCI USA UCITS ETF Acc
ISIN IE00B60SX170
Gesamtkostenquote (TER): 0,05% p.a.
iShares MSCI USA ESG Enhanced UCITS ETF
ISIN IE00BHZPJ890
Gesamtkostenquote (TER): 0,07% p.a.
MSCI Europa
(27%)
iShares Core MSCI Europe UCITS ETF EUR (Acc)
ISIN IE00B4K48X80
Gesamtkostenquote (TER): 0,12% p.a.
iShares MSCI Europe ESG Enhanced UCITS ETF EUR (Acc)
ISIN IE00BHZPJ783
Gesamtkostenquote (TER): 0,12% p.a.
MSCI Emerging
Markets
(41%)
Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF 1C
ISIN IE00BTJRMP35
Gesamtkostenquote (TER): 0,18% p.a.
iShares MSCI EM ESG Enhanced UCITS ETF USD
ISIN IE00BHZPJ239
Gesamtkostenquote (TER): 0,18% p.a.

In diesem Fall richtest du dir also einen Sparplan mit 4 ETFs ein, die jeweils nur regionale Aktien beinhalten, hast dann aber insgesamt ein weltweit sehr breit gestreutes Portfolio und sehr gute Wachstumschancen. Auch das ist für Anfänger ohne Schwierigkeiten zu machen.

Eigenschaften der ETFs

ETFs kommen mit verschiedenen Merkmalen und die meisten davon sollten dich vor allem am Anfang nicht unbedingt interessieren. Wichtig ist allerdings, ob du in thesaurierende Fonds oder in ausschüttende Fonds investierst.

Wichtig: Thesaurierende vs. ausschüttende Fonds

Als einfache Daumenregel für dich: Thesaurierende Fonds solltest du wählen, wenn du mit deinen Fondsinvestitionen langfristig Vermögen aufbauen willst, zum Beispiel für die Altersvorsorge. angestrebt wird. Denn bei thesaurierenden Fonds werden die Dividenden nicht an die Anleger ausgeschüttet, sondern direkt in den Fonds reinvestiert. Dadurch kommt es zum dynamischen Vermögenswachstum (durch Zinseszins). Da kein Geld fließt, hat dies auch steuerliche Vorteile für dich, während du Vermögen aufbaust.

Anleger, die regelmäßig über Einkünfte/Dividenden aus ihren Investitionen verfügen wollen, wählen hingegen ausschüttende Fonds. Dann überweist dir der Fonds regelmäßig die Dividenden auf dein Referenzkonto. Dies ist vor allem sinnvoll, sobald du im Ruhestand von deinen Ersparnissen lebst.

Eher unwichtig: Währung des ETFs

ETFs werden in verschiedenen Währungen gehandelt. Allerdings rechnet deine Depotbank sowieso in Euro um, weshalb dir die Währung eines ETFs herzlich egal sein kann. Die Kollegen von finanzfluss.de argumentieren in ihrem ETF-Handbuch, dass die Fondswährung eines ETF rein kosmetisch sei und weder Risiko noch Chance darstellt.

Kurz: Du investierst in deinem Portfolio in Unternehmen aus der ganzen Welt, die in allerlei Währungen handeln. (Egal welche der 3 Strategien du für den Anfang wählst.) Die Wechselkurse (z.B. zwischen Euro und US-Dollar) können zwar schwanken, aber da du weltweit und langfristig investiert, gleichst du Chancen und Risiken aus und musst dich daher nicht gegen Schwankungen absichern. Von sogenannten währungsgesicherten ETFs kannst du also getrost die Finger lassen.

Eher unwichtig: Synthetisch vs. physisch replizierende ETFs

Ein physisch replizierender ETF möchte den zugrundeliegenden Index oder Sektor real nachbilden. Ein physisch replizierender ETF kauft also die Aktien oder Wertpapiere tatsächlich, um den Index korrekt nachzubilden. Ein physisch replizierender ETF des MSCI World Index kauft also anteilig die im Index enthaltenen Aktien in der korrekten Relation, weshalb die Wertentwicklung des ETFs dem tatsächlichen Verlauf des MSCI World Index entsprechen sollte.

Bei einer synthetischen Replikation bildet ein ETF den Index nicht über den Kauf der im Index enthaltenen Aktien nach, sondern indirekt über ein Tauschgeschäfte (auch Swap genannt). Diese synthetischen ETFs sind häufig in der Lage einen Markt besser, günstiger und effizienter als physisch replizierende ETfs nachzubilden. 

Außerdem gibt es noch die Indexnachbildung durch (physisches) Sampling, bei dem nur eine optimierte Auswahl an Aktien oder Wertpapieren des zugrundeliegenden Indexes gekauft wird.

Aber ganz kurz gesagt: Für dich als Privatanleger:in spielt es aber keine Rolle, wie ein ETF einen Index nachbildet. Du solltest den für dich günstigsten Fonds kaufen, was sowohl die Kaufkosten bei deiner Depotbank als auch die regelmäßigen Kosten des Fonds (TER) betrifft. Wie du diese findest, zeige ich dir im nächsten Artikel.

Wie geht’s weiter?

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DER AUTOR

Christian hat Volkswirtschaftslehre und Statistik in Berlin studiert und danach eine Doktorarbeit zur Vermögensverteilung in Deutschland und Europa geschrieben. Daneben arbeitete er an einigen Projekten zu Altersvorsorge und Arbeitsmarkt. Jetzt gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihre Finanzen gut und unabhängig regeln wollen.