Anlegen, Sparen und Traden: Was sind die Unterschiede?

Sobald du mehr aus deinem Geld machen möchtest, fragst du dich vielleicht: Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Anlegen? Was bedeutet Traden? Und warum du unterm Strich mehrere Konten oder Apps halten solltest, da sie jeweils unterschiedliche Zwecke verfolgen. In diesem Artikel erfährst du die Unterschiede und was sie für deine Finanzen bedeuten.

Sparen oder Anlegen?

Sparen ist, wenn du einen Betrag unters Kopfkissen legst oder aufs Tagesgeldkonto verschiebst, das du bei deiner Bank einfach eröffnen kannst oder bereits hast. Für deinen Notgroschen und größere Anschaffung solltest du bei deiner Bank auf jeden Fall ein Tagesgeldkonto und Sparkonten von deinem Girokonto getrennt halten. Auf das Tagesgeldkonto mit deiner Notreserve zahlst du eisern nur Geld ein, bis die Notreserve groß genug ist. Mehr dazu im Artikel zur Altersvorsorge.

Das ist wichtig, um nicht mit deinen alltäglichen Ausgaben wie Einkäufe und Miete auf deinem Girokonto durcheinander zu kommen. Außerdem ist es eine psychologische Barriere, da du dein Geld extra verschieben musst, um es für andere Zwecke verwenden zu können.

Auf dein Erspartes, egal ob unterm Kopfkissen oder fast allen Tagesgeldkonten, gibt es keine (oder kaum) Zinsen. Als Form der langfristigen Anlage für größere Beträge ist es also kaum zu empfehlen. Dafür hast du im Notfall relativ schnell Zugriff und es keinen Risiken der Finanzmärkte ausgesetzt. Allerdings frisst die Inflation langsam an deinen Ersparnissen. Inflation bedeutet, dass du dir langfristig immer weniger von deinem Geld kaufen kannst, da die Preise für Güter und Anlagen steigen.

Traden

Traden und Anlegen bedeutet beides, dass du dein Geld auf dem Finanzmarkt in Aktien oder Fonds (oder auch andere Finanzmarktprodukte wie beispielsweise Krypto-Währungen) anlegst, um einen Profit einzufahren. Sie erreichen dieses Ziel aber mit unterschiedlichen Methoden.

Trader kaufen und verkaufen häufig Aktien oder andere Finanzprodukte innerhalb von Wochen oder Tagen (oder schneller) mit dem Ziel kurzfristige, schnelle Gewinne zu erzielen. Sie versuchen schlauer zu sein als die Märkte und dadurch die nächsten Schritte vorherzusagen, um davon profitieren zu können. Häufig ist auch von Daytrading die Rede.

Trading ist sehr riskant, wird durch die neuen Online-Trading-Apps aber ziemlich befeuert, da sie es sehr einfach machen schnell und oft auf Kaufen oder Verkaufen zu tippen. Das ist schließlich auch Teil ihres Geschäftsmodell. Im Grunde ist Traden aber eher etwas für Spielernaturen und nichts für eine langfristige Geldanlage oder solide Vorsorgeplanung. Das Risiko dein Geld oder einen Teil zu verlieren ist sehr hoch.

Wenn du eine Spielernatur bist, schlage ich dir vor, du nimmst einen Teil deines Geldes auf eine der neuen Online-Tradingplattformen und tradest damit. Dabei solltest du aber unbedingt verschmerzen können, wenn es mal in die Hose geht. Wenn du in Krypto tradest, solltest du auch damit leben können, dass das Geld vielleicht einmal ganz weg ist. Also auf jeden Fall nicht mehr als 5 bis 10 Prozent deines Ersparten verspielen!

Anlegen (Investieren) ist klüger als Sparen

Beim Investieren legst du dein Geld langfristig an und erwartest, dass es sich lohnt. Es lohnt sich, wenn deine Anlage Zinsen, Dividenden abwirft oder im Wert steigt. Auch wenn du eine Immobilie kaufst, kann dies eine lohnenswerte Geldanlage sein, da der Wert steigen oder fallen kann und du das Objekt vermieten kannst. Sparen ist natürlich sicherer als Anlegen, da auch ein langfristiges Investment mit gewissen Risiken verbunden ist.

In der Vergangenheit zeigte sich aber, dass eine Finanzkrise oder andere Börseneinbrüche immer nach ein paar Jahren ausgestanden waren. Wenn du also Geld langfristig in den Markt steckst, beispielsweise in ETFs, und es geht nach unten, darfst du nicht nervös werden, sondern musst es aussitzen. Wenn du deine Anteile während einer Krise verkaufst, realisiert du nur die Verluste.

Auch bei einem langfristigen vernünftigen Investment in den Aktienmarkt mit ETFs oder einem breiten Portfolio (um nicht den Risiken von einigen wenigen Firmen ausgesetzt zu sein), solltest du aber bedenken, dass du das Geld nicht in den kommenden fünf bis zehn Jahren brauchst. So lange kann eine Talsohle schon einmal dauern.

Dennoch sind langfristige Investitionen in den Aktienmarkt dein Ticket in die finanzielle Unabhängigkeit oder um ein Vermögenspolster für dich und deine Lieben aufzubauen. Sei vorbereitet auf die lange Frist: Mit Geduld und Disziplin konnte man auf den Märkten in der Vergangenheit über lange Zeiträume immer sehr gute Erträge erzielen.

Zusammenfassung

  1. Sparen bedeutet, dass du dein Geld ohne Zinsen aber sicher auf einem Tagesgeldkonto oder anderswo verwahrst. Dies eignet sich besonders für deinen Notgroschen und baldige Ausgaben und Anschaffungen (< 5 Jahre).
  2. Traden bedeutet, dass du durch häufiges Kaufen und Verkaufen von Finanzprodukten schnell Profite machen möchtest. Wenn du unbedingt Traden möchtest, nutze dafür ein von deinen langfristigen Investitionen (= Vorsorge) getrenntes Konto oder App. Es ist mit sehr hohem Risiko verbunden.
  3. Anlegen bedeutet, dass du langfristig Geld für deine Vorsorge und zum Vermögensaufbau in Fonds oder breit gestreute Aktien oder andere Finanzprodukte anlegst, da der Aktienmarkt in der langen Frist in der Vergangenheit immer hohe Gewinne erwirtschaftet hat. Mach dir am besten einen ETF-Sparplan in einem Depot bei einer günstigen etablierten Direktbank.

Wie geht’s weiter?

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DER AUTOR

Christian hat Volkswirtschaftslehre und Statistik in Berlin studiert und danach eine Doktorarbeit zur Vermögensverteilung in Deutschland und Europa geschrieben. Daneben arbeitete er an einigen Projekten zu Altersvorsorge und Arbeitsmarkt. Jetzt gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihre Finanzen gut und unabhängig regeln wollen.