Notgroschen: Wie hoch sollte er sein und warum brauche ich einen?

Auf dem Weg zu mehr finanzieller Freiheit kümmerst du dich auch um deine finanzielle Gesundheit: Du legst Geld für Notfälle zur Seite. So bringen dich unerwartete Ereignisse nicht ins Straucheln und du musst keine Schulden aufnehmen. Wir zeigen dir hier, wie hoch dein Notgroschen sein sollte, warum du einen brauchst und wie du ihn ausbauen kannst.

Was ist ein Notgroschen?

Dein Notgroschen oder Notfallfonds ist ein Bankkonto, meistens ein Tagesgeldkonto, auf dem du einen Betrag für unvorhergesehene Notfälle aufbewahrst. Diese Notfälle könnten sein:

  • Größere Reparaturen am Auto
  • Reparatur und Ersatz von Haushaltsgeräten
  • Arbeitslosigkeit

Daneben gibt es natürlich noch andere Notfälle, die wir hier nicht alle aufzählen können. Aber ganz egal, was passiert, dein Notgroschen sichert dich gegen unvorhergesehene Ausgaben ab. Der Notfallfonds verhindert auch, dass du im Notfall Schulden aufnehmen musst.

Dein Notgroschen ist nicht für geplante Ausgaben wie Urlaub oder Weihnachtsgeschenke gedacht. Für geplante Ausgaben kannst du ein Budget einplanen oder auf einem anderen Konto sparen.

Warum sollte jeder einen Notgroschen haben?

Viele Leute meinen, dass sie im Notfall genug Geld zusammen kratzen können. Im Zweifel wird dann eben die Kreditkarte strapaziert oder der Dispo ausgereizt. In der Realität verschulden sich überraschend viele Menschen, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Darunter auch viele Familien mit gutem Einkommen.

Dann bleiben sie auf extrem hohen Zinsen sitzen oder sind gezwungen bei Familie oder Freunden um Geld zu bitten. Und wer möchte das schon?

Viel klüger ist es, einen Notgroschen zu sparen und den Betrag im Notfall direkt zur Verfügung zu haben. Dann kann man den Notfallfonds danach entspannt wieder auffüllen. Man verhindert hohe Zinsen, Schulden oder die Schmach betteln zu müssen.

  • Bei allen Krediten fallen Zinsen an, so auch bei deiner Kreditkarte, wenn du deinen Kreditrahmen nutzt. Typischerweise belaufen sich die Zinsen effektiv auf mindestens 10 Prozent p.a., meistens sogar noch mehr.
  • Auch dein Dispo-Kredit kostet Zinsen, laut Stiftung Warentest sind das im Moment durchschnittlich 9,51 Prozent!

Ein Notfall von 2.500 Euro, den so finanzierst, könnte dich bei effektiv 10 Prozent Zinsen p.a. also vielleicht 250 Euro pro Jahr kosten!

Um das zu verhindern, empfehlen wir dir einen eigenen Notgroschen zur Seite zu legen. Falls du schon einen hast, solltest du deinen Notgroschen ausbauen, bis er hoch genug ist.

Wofür verwende ich meinen Notgroschen (Beispiele)?

Deine Wohnung oder dein Haus benötigt wichtige Reparaturen oder Geräte

Die Klassiker sind natürlich die kaputte Waschmaschine oder der kaputte Kühlschrank. Aber auch sonst kann einiges schief gehen bei dir. Hast du Fenster zerdeppert oder die Wohnung unter Wasser gesetzt? Das kann alles erst einmal teuer für dich werden, auch wenn irgendwann vielleicht die Versicherung zahlt.

Für Eigentümer kommen viele weitere teuere Gefahren hinzu: die Heizung muss ersetzt werden, oder das Dach repariert? Für all diese Fälle hast du einen ausreichend hohen Betrag auf der hohen Kante, wenn du einen Notgroschen gespart hast.

Dein Auto ist kaputt

Vielleicht gehörst du zu den Leuten, für die ein Auto nicht optional ist, weil du damit zur Arbeit fährst oder andere tägliche notwendige Fahrten erledigen musst. Dann kann ein kaputter Wagen in deinem Leben immer ernste Störungen verursachen. Und wenn du deinen Wagen nicht schnell genug reparierst oder ersetzt, können dich weitere Kosten belasten.

Für alle Autofahrer empfehlen wir einen etwas höheren Notgroschen, um Reparaturen schnell erledigen zu können — ohne ins Schwitzen zu geraten!

Du verlierst deinen Job oder es kommen keine Aufträge rein

Wenn dein Einkommen versiegt, weil du deinen Job verlierst oder die Aufträge ausbleiben, kann das dich und deine Liebsten schnell in monetäre Engpässe bringen. Klar gibt es Arbeitslosengeld, aber das ersetzt nur einen Teil deiner Einnahmen. Viele haben in der Corona-Krise ihr Einkommen verloren. Zwar gab es irgendwann Hilfen vom Staat, aber das hat gedauert. Sei mit deinem Notgroschen gerüstet für unvorhergesehene Ereignisse, die dein Einkommen belasten können!

Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?

Entscheide, wie hoch dein Notgroschen sein soll

Als Daumenregel gilt, dass du drei bis sechs Nettoeinkommen auf der hohen Kante schnell verfügbar haben solltest.

Wenn du ganz jung bist, ohne Auto, Familie, Wohneigentum etc. reichen für Notfälle anfangs auch 3.000 Euro.

Sobald du genug Einkommen generierst, solltest du deinen Notgroschen auf mindestens drei Nettoeinkommen ausbauen.

Je mehr Risiken du hast, umso höher sollte dein Notgroschen sein. Dann reichen drei Nettoeinkommen eventuell nicht aus. Achte insbesondere auf folgende Umstände:

  • Familie, vor allem Kinder
  • Eigener PKW
  • Eigenes Haus oder eigene Wohnung (Eigentum)
  • Du bist in Gefahr deinen Job zu verlieren
  • Dein Einkommen ist unregelmäßig (etwa wegen Selbstständigkeit)

Jeder Betrag ist gut und wichtig

Wenn du anfangs nicht genug zur Seite legen kannst, weil deine Einnahmen zu niedrig oder zu unregelmäßig sind: das macht nichts!

Jeder kleine Betrag zählt. Es ist wichtig, dass du lernst regelmäßig für Notfälle zu sparen, auch wenn die Beträge klein sind. Solange du am Ball bleibst, wirst du irgendwann einen ausreichend großen Notgroschen gespart haben.

Wichtig ist auch, dass du heute damit anfängst! Dein Notgroschen ist ein wichtiger Schritt zu mehr finanzieller Gesundheit.

Wie kann ich meinen Notgroschen ausbauen?

In fünf einfachen Schritten kannst du deinen Notgroschen aufbauen oder ausbauen.

1. Lege dein Sparziel fest: was kannst du monatlich wirklich leisten?

Lass dich nicht entmutigen, wenn dein Sparziel in weiter Ferne scheint. Überleg dir, was du monatlich wirklich leisten kannst und dann versuche ein bisschen mehr zu schaffen. Wenn dein Notgroschen vier Monatsgehälter sein soll, dann kann es schon ein bisschen dauern, bis du so viel Geld tatsächlich gespart hast. Das ist okay!

2. Eröffne oder nutze ein Tagesgeldkonto

Eröffne ein Tagesgeldkonto bei der Bank, wo du auch dein Gehaltskonto hast. Falls du da schon ein Tagesgeldkonto hast, nutze das ab jetzt, um deinen Notgroschen auszubauen oder aufzubauen.

3. Automatisiere deine monatlichen Einzahlungen mit einem Dauerauftrag

Richte nun einen Dauerauftrag von deinem Gehaltskonto zu deinem Tagesgeldkonto ein. So sparst du monatlich einen festen Betrag, bis dein Notgroschen hoch genug ist. Wenn du dich fragst, wie hoch die monatlichen Beträge für den Notgroschen sein sollen: so hoch wie möglich natürlich!

4. Falls du Geld übrig hast, steck es in deinen Notgroschen

Sobald dein Notgroschen groß genug ist, wirst du mit deinen übrigen Ersparnissen machen können, was du möchtest. Sei bis dahin eisern und stecke alles in deinen Notgroschen, was du am Monatsende übrig hast.

5. Nutze deinen Notgroschen auch wirklich nur in Notfällen!

Wie bereits erwähnt, gehören zu den Notfällen keine Urlaubsreisen, Luxusgegenstände oder Weihnachtsgeschenke. Die solltest du von deinen regelmäßigen Einnahmen oder von separaten Sparkonten bestreiten können.

Deinen Notgroschen, egal wie hoch, hast du für ernste finanzielle Notfälle ausgebaut! Informiere dich hier, wie man ein Haushaltsbuch führt oder wie du dir ein Haushaltsbudget gibst.

Wie bewahre ich meinen Notgroschen auf?

Für die meisten Leute empfehlen wir, den Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto bei deiner Bank aufzubewahren, bei der du auch dein Giro- oder Gehaltskonto hast. So kannst du im Zweifel schnell Geld zwischen deinem Tagesgeldkonto und deinem Girokonto verschieben. Und um den Notgroschen auszubauen oder wieder aufzufüllen, richtest du bequem einen Dauerauftrag ein.

Tipp: Tagesgeldkonto

  • Du hast schnellen Zugriff auf deinen Notgroschen und das Geld auf deinem Tagesgeldkonto unterliegt keinen finanziellen Risiken. (Es wirft aber auch keine oder kaum Zinsen ab!)
  • Ein weiterer Vorteil ist, dass die Tagesgeldkonten üblicherweise kostenlos sind.

Auf keinen Fall solltest du deinen Notgroschen in ETFs, Aktien oder andere Finanzmarktprodukte anlegen. Du willst im Notfall keine Kursschwankungen haben, die deinen Notfallfonds im Wert mindern können, wenn du ihn gerade brauchst.

Fazit: Wie hoch sollte mein Notgroschen sein?

  • Um unvorhergesehen Notfällen begegnen zu können, solltest du sparen, bis du mindestens 3 Nettoeinkommen auf der hohen Kante hast.
  • Wenn du Haus, Familie, Kinder oder Auto hast, oder wenn dein Job in Gefahr ist, solltest du drei bis sechs Nettoeinkommen für Notfälle geparkt haben.
  • Bewahre deinen Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto auf. Nutze dafür die Bank, wo du auch dein Gehaltskonto hast.

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DER AUTOR

Christian hat Volkswirtschaftslehre und Statistik in Berlin studiert und danach eine Doktorarbeit zur Vermögensverteilung in Deutschland und Europa geschrieben. Daneben arbeitete er an einigen Projekten zu Altersvorsorge und Arbeitsmarkt. Jetzt gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihre Finanzen gut und unabhängig regeln wollen.