Wie du deine Renteninformation online anfordern und verstehen kannst

Sobald du dir einen ersten Überblick über deine Altersvorsorge machst, wirst du nicht darum herum kommen, dir auch deine Renteninformation der gesetzlichen Rentenversicherung einmal genauer anzusehen. Falls du noch keine Renteninformation vorliegen hast, kannst du sie direkt online anfordern.

Renteninformation anfordern und verstehen

Laut eigener Auskunft verschickt die deutsche Rentenversicherung jährlich rund 30 Millionen Renteninformationen an ihre Versicherten, sobald diese mindestens 27 Jahre alt sind. Außerdem müsst ihr bereits 5 Versicherungsjahre vorweisen, denn sonst besteht noch kein Anspruch auf eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Renteninformation gibt es bisher leider nicht online, sondern nur als Brief. Du kannst die Renteninformation allerdings direkt online anfordern, falls du noch keine erhalten hast.

Für was braucht man die Renteninformation der gesetzlichen Rentenversicherung?

Wenn ihr euch erst zum Renteneintritt fragt, wie hoch eure Rente den sein wird, dann ist es schon lange zu spät noch etwas daran zu ändern. Nach dem Absenken des Rentenniveaus können sich nicht mehr alle darauf verlassen, dass die Rente reichen wird. Tatsächlich sollten alle zusätzlich fürs Alter vorsorgen.

Die Renteninformation der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung sagt dir einmal jährlich, wie dein aktueller Kontostand ist. Also mit welcher Rente du später rechnen kannst. So weißt du, wie viel zu zusätzlich machen solltest, damit du später deinen Lebensstandard hältst.

In deiner Renteninformation findest du neben deinen bisher erworbenen Rentenansprüchen auch deinen Rentenanspruch bei voller Erwerbsminderung, falls du also aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kannst. Außerdem findest du eine Hochrechnung deines Renteneinkommens zum Zeitpunkt deines Renteneintritts (die für die meisten Personen aber nicht sehr zuverlässig wird!)

Ich habe bisher keine Renteninformation erhalten, was kann ich tun?

Wenn du bisher keine Renteninformation erhalten hast, dann bist du vielleicht noch nicht alt genug oder hast noch nicht genug Versicherungsjahre beisammen und damit noch keinen Anspruch erworben. In jedem Fall solltes du dich dann aber direkt an die deutsche Rentenversicherung wenden. Hier kannst du deine Renteninformation beispielsweise direkt online anfordern.

So sieht deine Renteninformation aus. Die wichtigste Zahl ist die bisher erreichte Rentenhöhe. Außerdem siehst du, welcher Zeitraum berücksichtigt wurde (Einzahlungen) und wann deine Regelaltersrente beginnen würde. Zur Erklärung lies bitte den Text.

Welches Infos sind in der Renteninformation und wie wird meine Rente berechnet?

Die Beiträge zur Rentenversicherung werden von deinem Arbeitgeber und dir eingezahlt und hängen von deinem Lohn oder Gehalt ab. Je höher das Einkommen, umso höher die Beiträge, umso höher wird später deine Rente ausfallen. Aber auch für andere Dinge gibt es Gutschriften in der gesetzlichen Rentenversicherung, etwa für Kinder oder für die Pflege von Angehörigen.

In deiner Renteninformation findest du die Beiträge, die du und andere bisher eingezahlt haben. Deine Jahresverdienste werden dann in Entgeltpunkte umgerechnet. Entgeltpunkt sind quasi die Währung mit der die gesetzliche Rente handelt. Ein Jahresdurchschnittsverdienst entspricht dabei einem Entgeltpunkt, wobei es für Ost- und Westdeutschland getrennte Berechnungen gibt.

Ein Durchschnittsverdienst liegt im Moment bei gut 41.000 Euro. Wenn du die Hälfte verdienst, kriegst du einen halben Entgeltpunkt. Verdienst du das doppelte, werden dir 2 Punkte gutgeschrieben. Es ist total einfach.

In jeder Renteninformation findest du den aktuellen Stand deiner Entgeltpunkte.

So wird deine derzeitige Altersrente berechnet

In der gesetzlichen Rentenversicherung werden deine bisher gesammelten Rentenpunkte mit einem Rentenwert malgenommen. Der Rentenwert wird jedes Jahr angepasst und ist für Entgeltpunkte aus dem Osten leicht niedriger als im Westen. Derzeit beträgt er etwa 34 Euro im Westen und gut 33 Euro im Osten.

Beispiel. Wenn du bisher 15 Jahre gearbeitet hast und dabei den Durchschnittslohn im Osten bekommen hast, hättest du heute also 15 Entgeltpunkte. Diese 15 Entgeltpunkte werden ca. 33 Euro, dem Rentenwert für den Osten, malgenommen. Das heißt, dein bisher erworbene Rentenanwartschaft wäre 15 Entgeltpunkte * 33 Euro = 495 Euro.

Wenn du heute aufhören würdest zu arbeiten und dein Rentenalter erreichst, würdest du diesen Betrag aus der gesetzlichen Rente bekommen. Allerdings handelt es sich dabei immer um eine Bruttorente. Das heißt, darauf werden dann noch Steuern und Kranken- und Pflegeversicherung fällig, die aber bei den kleinen erwarteten Rentenzahlungen niederiger als im Erwerbsleben ausfallen werden.

Der Rentenwert wird bis zu deiner Rente jährlich angepasst werden. Bis du also tatsächlich in Rente gehst, wirst du eine höhere Rente erhalten. (Das bedeutet aber nicht, dass du dir dann viel mehr davon kaufen kannst, da ja auch das Geld durch den allgemeinen Preisanstieg von Waren und Dienstleistungen an Wert verlieren wird.)

So berechnet sich deine Rente wegen voller Erwerbsminderung

Die gesetzliche Rentenversicherung bietet auch etwas Absicherung im Falle, dass du irgendwann keinen Beruf mehr ausüben kannst. Betonung ist dabei auf keinen, denn das Konzept der Erwerbsminderung bedeutet, dass du nicht nur deinen derzeitgen Beruf nicht mehr ausüben kannst, sondern auch keinen anderen. Es ist ziemlich nervenaufreibend diese Rente zu beantragen und es wird viele Prüfungen und regelmäßige Nachprüfungen geben.

In deiner Renteninformation steht, wie hoch für dich die Rente wegen voller Erwerbsminderung wäre, wenn sie heute eintreten würde.

Sie wird berechnet, indem angenommen wird, dass du nicht nur deine bisherigen Entgeltpunkt hast, sondern auch bis zu deinem regulären Renteneintrittsalter gearbeitet und Entgeltpunkte gesammelt hättest. So bist du im Fall des Falles natürlich besser abgesichert, falls etwas schief läuft.

Dein reguläres Rentenalter beträgt normalerweise 67 Jahre. Das heißt, du kannst in Rente gehen im Monat nachdem du 67 geworden bist. Wenn du vor 1964 geboren wurdest, kannst du schon früher in Rente gehen. Außerdem gibt es vorgezogene Altersrenten, aber die sind für deine Renteninformation erst einmal nicht wichtig.

In deiner Renteninformation findest du auch den Zeitpunkt, zu dem du die reguläre Altersrente erhalten kannst.

So berechnet sich die Hochrechnung deiner Rente

Damit du besser mit deinen zukünftigen Renteneinkünften planen kannst, findest du in deiner Rentenauskunft auch eine Prognose deiner Rente. Prognose heißt, so hoch wäre deine Rente zum regulären Renteneintritt (meistens also mit 67 Jahren), wenn du bis dahin so viele Entgeltpunkte sammeln würdest wie im Durchschnitt der letzten 5 Jahre.

Das ist zwar interessant, aber für die meisten Erwerbstätigen sagt diese Zahl nicht viel aus:

  • Du wirst deinen Job ändern, hast unregelmäßiges Einkommen oder willst später vielleicht einmal weniger oder mehr arbeiten
  • Alle Erwerbsverläufe sind heute von Unterbrechungen und Sprüngen geprägt
  • Die Änderungen des Rentenwerts wird deine tatsächliche Rente stark beeinflussen
  • Vor allem am Anfang deines Berufslebens steigt dein Einkommen schneller als beim Rest der Erwerbstätigen

Je weiter der Renteneintritt, umso weniger Wert ist diese Angabe und wir würden uns ehrlich nicht darauf verlassen.

Alternative. Setz dich lieber hin und setz dich ehrlich mit deinen Karriereplänen und deinen Einkommensmöglichkeiten auseinander. Da du weißt, dass ein durchschnittliches Jahr einen Entgeltpunkt bringt, kannst du relativ einfach selbst prognostizieren, wie viele Entgeltpunkte du noch sammeln könntest bis zur Rente. So kannst du auch einbeziehen, dass du vielleicht ab Mitte 50 weniger arbeiten möchtest etc. Sei ehrlich mit dir und realistisch!

Weitere Infos in deiner Renteninformation

Am Wichtigsten für deine Unterlagen sind bestimmt deine Entgeltpunkt und wie viel sie heute Wert sind, sowie die Angabe zu deiner Erwerbsminderungsrente. Darüber hinaus kannst du anhand sehr einfacher Rechnungen selbst überschlagen, wie hoch deine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung beim Renteneintritt sein wird. Die restlichen Informationen sind einfach mit sehr viel Unsicherheit verbunden.

Trotzdem gibt es noch eine Reihe von Angaben, die du dir ansehen kannst. Zum einen gibt es noch zwei Möglichkeiten, wie sich die jährlichen Rentenanpassungen bis zu deinem Renteneintritt entwickeln werden und das würde dann natürlich für mehr Rente sorgen. Dabei werden einmal ein Prozent und einmal zwei Prozent angenommen. Aber wie sich die Renten entwickeln werden hängt von vielen Dingen ab, auch entscheidend von der Politik, die sich ja häufig ändert, nachbessert und Geld zuschießt.

Der zweite Wert betrifft den Kaufkraftverlust durch die Steigung von Preisen für Dienstleistungen und Waren (auch Inflation genannt). Wenn alles jedes Jahr etwas teurer wird, wirst du dir zum Zeitpunkt deines Renteneintritts natürlich weniger dafür kaufen können.

In einer zusätzlichen Rechnung auf der zweiten Seite deiner Rentenauskunft nimmt man an, dass der Kaufkraftverlust jährlich 1,5 Prozent betragen wird. Das ist eine sehr, sehr grobe Rechnung insgesamt und wir würden daran nicht unsere Entscheidungen festmachen.

Die Renteninformation und die Rentenauskunft der gesetzlichen Rentenversicherung sind nicht dasselbe. Die Rentenauskunft verschickt die Rentenversicherung zum ersten Mal, wenn du 55 Jahre alt wirst. Diese Rentenauskunft ist dann allerdings viel ausführlicher und beinhaltet auch genaue Angaben zu deinen Beitragszeiten, die du dir dann sehr genau ansehen solltest. Wie die Renteninformation kannst du die Rentenauskunft auch online anfordern. Und zwar auch schon bevor das 55. Lebensjahr vollendet hast.

Mehr zur gesetzlichen Rente und zum demografischen Wandel

Die gesetzliche Rente ist traditionell für viele Renter das wichtigste Einkommen. In der Zukunft wird sich das ändern. Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahrzehnten viele Reformen angestoßen, die das Niveau der Renten aus der gesetzlichen Rente für alle senkt. Das bedeutet, relativ zum Arbeitseinkommen wird deine Rente in Zukunft viel kleiner ausfallen und wahrscheinlich nicht reichen.

Grund hierfür ist vor allem der demografische Wandel in Deutschland und vielen anderen Ländern des Westens. Auch beispielsweise Japan sieht sich mit einer rapide alternden Gesellschaft konfrontiert.

Das Problem für die Finanzierung von Renten ist, dass bei einer alternden Gesellschaft immer weniger junge, arbeitende Erwachsene immer mehr Ältere finanzieren, die sich bereits im Ruhesstand befinden.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie man heute in Deutschland am besten Finanzen und Vorsorge regelt, legen wir dir unseren Leitfaden zur Altersvorsorge ans Herz.

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DER AUTOR

Christian hat Volkswirtschaftslehre und Statistik in Berlin studiert und danach eine Doktorarbeit zur Vermögensverteilung in Deutschland und Europa geschrieben. Daneben arbeitete er an einigen Projekten zu Altersvorsorge und Arbeitsmarkt. Jetzt gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihre Finanzen gut und unabhängig regeln wollen.