Wie geht man mit Geld in der Partnerschaft um?

Geld ist nicht selten die Ursache von Stress und Streit in der Partnerschaft. Warum kann denn auch meine Partner:in nicht dieselben Prioritäten haben wie ich selbst? Nun, seien wir ehrlich, das ist und bleibt unwahrscheinlich. Und bei den meisten von uns ist der Umgang mit Geld bei der Partnerwahl auch einfach nicht sehr ausschlaggebend. Aber irgendwann wird es immer relevant, spätestens sobald man gemeinsame Kinder hat und bei den meisten schon, sobald man sich entscheidet zu heiraten.

Ehe bedeutet für viele auch, dass man völlig und mit 100 Prozent investiert ist und als Zeichen dieses Investments werden nun auch die Finanzen zusammengelegt. Für uns könnte es kein — entschuldigt — dämlicheres Zeichen der Liebe füreinander geben, als die Finanzen in dieser Phase bereits komplett zusammenzulegen, sollte man doch lieber nahelegendere Schritte der gemeinsamen Lebensplanung zuerst miteinander klären und danach die gemeinsamen — oder einzelnen — Finanzen auf diese gemeinsame Lebensplanung abstimmen.

Warum den zweiten Schritt vor dem ersten tun? Das wird sicher schief gehen. Und wenn auch nicht gleich eine Ehe davon zerbrechen wird, wird es allemal für unnötigen Streit in der Partnerschaft sorgen. In diesem Beitrag erfahrt ihr warum.

Die Realität der Finanzen in eurer Beziehung wird sein, dass ihr unterschiedliche Ausgaben priorisiert, unterschiedliche finanzielle Ziele verfolgt, unterschiedliche Gehälter habt, unterschiedliche hohe Ersparnisse oder Investitionen haltet etc. Wenn ihr mit der Eheschließung oder bereits vorher diese unterschiedlichen Ausgangssituationen zusammenbringen wollt, wird das ziemlich schwierig und garantiert für Unmut sorgen.

Geld in der Partnerschaft: Soll ich unsere Finanzen zusammenlegen oder getrennt halten?

Die einfache Antwort auf diese Frage ist: nein!

Zwar scheint es auf den ersten Blick so, dass man durch die komplette Trennung der Finanzen — der Status quo am Anfang aller Beziehung — alle Konflikte vermeidet, aber so einfach wird es leider auch nicht. Wie ihr in eurer Beziehung mit eurem Geld umgeht, müsst ihr von Fall zu Fall organisch entscheiden, aber lieber nicht bevor es dafür Zeit wird.

Sobald ihr gemeinsam wohnt, werdet ihr wahrscheinlich ein gemeinsames Konto führen wollen, um die Ausgaben fürs Wohnen und Einkäufe miteinander bestreiten zu können, ohne dass es für Unmut bei der Partner:in führt. Nach der Heirat wird es noch mehr Gründe geben, die Finanzen gemeinsam zu verwalten. Sobald ihr Kinder habt oder gemeinsam Eigentum erwerben wird es immer mehr gute Gründe geben, die Finanzen gemeinsam zu gestalten.

Das wichtige ist: Diese Fragen könnt ihr auch erst angehen, sobald es eure Leben verlangen. In diesem Moment neigen wir nämlich stärker zu pragmatischen Entscheidungen, die oft besser übereinstimmen als emotionale Entscheidungen (die gemeinsamen Finanzen als Liebesbeweis…)

Gleichzeitig habt ihr bis dahin Zeit die finanziellen Wünsche, Bedürfnisse und Präferenzen der Partner:in kennenzulernen und passt euch ein Stück weit aneinander an. Es gibt keinen guten Grund, zu früh das Geld in der Partnerschaft mit Zwang gemeinsam zu verwalten. Denn je früher wir gemeinsam wirtschaften wollen, umso schwieriger wird es die bestehenden Unterschiede unter einen Hut zu bringen. Die Unterschiede werden aber im Verlauf einer glücklichen Partnerschaft häufig kleiner.

Eine Ehe alleine ist noch kein guter Grund für gemeinsame Finanzen

Eine Ehe ist ein wichtiger Schritt seine gemeinsame Zukunft zu gestalten, aber noch kein sehr guter Grund alle Finanzen zusammenzulegen. Es ist ein guter Grund sich ab jetzt ernsthaft miteinander verbindlich Gedanken über die gemeinsamen Wünsche für die Zukunft zu machen. Herauszufinden, ob die eigene Partner:in gern bis 70 arbeiten möchte oder lieber schon früher finanziell unabhängig in den Ruhestand möchte. Ob sie liebe teure Fernreisen oder teures Wohneigentum möchte. Ob er sein Geld mit einem strikten Budget managt oder sich am liebsten gar nicht damit beschäftigen möchte.

Beim Geld in der Partnerschaft solltet ihr euch aber immer von den gemeinsamen Zielen leiten lassen.

Wenn eure gemeinsamen Präferenzen zu unterschiedlich sind, gibt es keinen Grund jemals alles in einen Topf zu werfen! Damit würde Geld nur das Fortbestehen eurer Beziehung gefährden und diese Rolle sollte es in eurem Leben niemals einnehmen dürfen. In diesem Fall gilt es klug zu trennen und es bei gemeinsamen Konten für spezifische Ausgaben zu belassen. So sind deine finanziellen Ziele niemals von den (vermeintlich) verantwortungslosen Konsumexzessen deiner Partner:in gefährdet (oder andersherum!)

Am wichtigsten sind Kommunikation und Pragmatismus. Lasst euch beim Geld in der Partnerschaft von euren gemeinsamen Zielen geben. Wenn ihr gerne gemeinsam Eigentum erwerben wollt, aber ansonsten zu unterschiedlich seit, reicht ein gemeinsames Sparkonto oder Depot, um gemeinsam das notwendige Eigenkapital sparen zu können, während ihr ansonsten eure Einkommen und Ersparnisse getrennt haltet.

Getrennte Konten sind aber kein Schutz in der Scheidung

Achtung: Getrennte Konten helfen euch in der Ehe mit unterschiedlichen finanziellen Bedürfnissen und Prioritäten pragmatisch umzugehen. Sie schützen dich aber im Falle einer Scheidung nicht vor den mitunter schädlichen Folgen für deine Finanzen. Wenn es für dich wichtig ist, dass deine Finanzen im Falle der Scheidung geschützt sind, empfiehlt es sich unbedingt vor der Ehe einen qualifizierten Rechtsbeistand zu konsultieren.

Auch aus steuerlicher Sicht können sich für euch Vor- und Nachteile ergeben, je nachdem wie ihr eure Finanzen gestaltet. Auch hierfür empfiehlt es sich immer einen Steuerberater zu konsultieren, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden. Steuerberater sind nicht günstig zu haben, aber schützen euch im Zweifel vor deutlich teureren Folgen.

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DER AUTOR

Christian hat Volkswirtschaftslehre und Statistik in Berlin studiert und danach eine Doktorarbeit zur Vermögensverteilung in Deutschland und Europa geschrieben. Daneben arbeitete er an einigen Projekten zu Altersvorsorge und Arbeitsmarkt. Jetzt gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihre Finanzen gut und unabhängig regeln wollen.