Wie hältst du das liebe Geld zusammen? Dein Konsum, die Corona-Krise und die Nachhaltigkeit

Es ist deine Pflicht als Bürger in diesen Krisenzeiten ordentlich zu konsumieren!

Die Wirtschaft will von dir angekurbelt werden. Sie bringt jede Menge Produkte auf den Markt, die du haben willst. Und sobald du dein Amazon-Päckchen aufreißt, bekommst du ein kleines High vom Konsum. Neue Ware, der Geruch von Plastik und Karton. Was könnte es Schöneres geben? Es wird jetzt vielleicht etwas politisch, aber es geht auch um dein Geld und deine Zukunft. Und dein Gewissen, wenn du möchtest.

Corona-Krise und Konsum

Eine Krise war eine Chance

Man fragt sich, ob wir aus der Vergangenheit gar nichts gelernt haben, denn eine Krise kann man auch verschwenden. Tatsächlich setzen Krisen meistens ungeahnte Kräfte der Innovation und Erneuerung frei. Unsere Art zu leben und zu wirtschaften könnte diese Erneuerung gut gebrauchen. Wir alle wissen, dass wir zu viel konsumieren und Ressourcen verbrauchen, vor allem wir hier im Westen. Und die Folgen davon spüren auch wir in Deutschland, und dieses Jahr mehr Personen im Westen als jemals zuvor. Das heißt, dass die Folgen unseres Handelns nicht länger nur in andern Teilen der Welt sichtbar werden. Es wird schwerer und schwerer die Augen vor den Folgen zu verschließen.

Man könnte also die Corona-Krise und ihre ökonomischen und sozialen Folgen nutzen, um endlich die bevorstehenden Probleme des 21. Jahrhunderts anzugehen. Allen voran das Klima und die sozialen Schieflagen in Deutschland (und weltweit sowieso). Und durch die erwartete Klimamigration werden sich die sozialen Schieflagen in Zukunft sicher noch verstärken.

Aber nein, diese Krise bleibt erst einmal ungenutzt. Für dich heißt das, dass du jetzt schnellstmöglichst auf den Konsumzug springst und ordentlich shoppen gehst. Und die Airlines warten auf dich! Schließlich lagen ihre Kapazitäten lange Brach. Also ab mit dir nach draußen. Oder vielleicht auch online bei Amazon, wo du einem der reichsten Männer der Welt helfen kannst noch reicher zu werden, hilft dann aber nicht unbedingt, den sozialen Schieflagen entgegenzuwirken. Dein Konsum kurbelt unsere Wirtschaft an und wir alle brauchen dich jetzt mit gezückter Kreditkarte.

Du kannst es besser machen

Auch wenn wir auf nationaler und internationaler Ebene dieser Krise mit denselben alten Tricks der Wirtschaftspolitik begegnen, hast du dennoch die Möglichkeit es für dich besser zu machen.

Was heißt besser in diesem Zusammenhang? Und warum ist es nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für dich? Besser heißt weniger, langsamer und nachhaltiger.

Niemand (wir am wenigsten) verlangt von dir, dass du mit den Ökolatschen durch die Stadt läufst und Leute mit Bessere-Welt-Zeug beschwatzt. Aber lass mich kurz erklären, was ich mit weniger, langsamer und nachhaltiger meine. Und dabei versuche ich dir zu zeigen, dass es auch für dich auf dem Weg zu deinen finanziellen Zielen eine ziemlich gute Idee sein kann.

Weniger

Vor einiger Zeit habe ich angefangen meinen Kleiderschrank von Fast-Fashion-Brands wie Zara und H&M auf hochwertigere, aber teurere Produkte umzustellen. Zum Beispiel werde ich meine gefütterten Stiefel diesen Winter zum vierten Mal tragen. Wenn die Sohle durch ist, gehe ich zum Schuster um die Ecke. Die Schuhe waren sehr viel teurer als vergleichbare von einer Fast-Fashion-Brand. Aber sie halten ewig.

Unterm Strich und über einen langen Zeitraum werde ich viel weniger Geld ausgeben und Ressourcen verbrauchen, indem ich weniger, aber hochwertigere Produkte kaufe, die sehr viel länger halten. Vor allem bei Klamotten macht das einen Riesenunterschied. Seien wir ehrlich, wir wissen alle, dass der Fast-Fashion-Wahn nicht ewig so weiterlaufen kann. Also warum nicht gleich damit aufhören? Nach einem Waschgang sieht das meiste davon sowieso sch*** aus.

Langsamer

Brauchst du alles auf einmal? Und zwar sofort? Genießt du alles, was du kaufst und machst wirklich ausgiebig? Hast du überlegt, wie es wäre langsam zu einem fernen Ziel zu reisen? Während ich dies schreibe, sitze ich im Zug, schaue ich aus dem Fenster, genieße ich das Ruckeln und die Landschaft und freue mich langsam an mein Ziel zu kommen. Ich kenne Leute, die noch nie im Zug saßen. Ja, wir Deutschen lieben unsere Autos. Und so mancher hat in seinen paar Wochen Urlaub einfach keine Zeit langsam an sein fernes Ziel zu reisen und nimmt lieber das Flugzeug.

Aber viele von uns haben nach Corona sehr viel mehr Möglichkeiten ihr Leben und ihre Arbeit zu gestalten, vor allem wenn wir noch jünger und mit weniger Verpflichtungen sind. Weniger Flugzeuge sind gut fürs Klima und gut für dein Portmonaie. Bewusst langsamer und nachhaltiger konsumieren kann dein Weg sein, deine Budget-Ziele zu erreichen und deiner finanziellen Unabhängigkeit Stück für Stück näher zu kommen.

Nachhaltiger

Das bringt mich zum letzten Punkt, der eigentlich für sich spricht. Sobald wir besser, aber weniger konsumieren, sobald wir langsamer konsumieren und mehr genießen, sind wir schon einen großen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gegangen. Damit meine ich nicht nur das Klima und die Verschwendung von Ressourcen. Auch die Arbeitsbedingungen in der Produktion sind bei hochwertigen Produkten häufig (aber nicht immer) besser. Und damit handelst du auch sozial nachhaltiger und sorgst für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in den Produktionsstädten.

Der Tönnies-Skandel und die ekelhaften Bedingungen in den deutschen Fleischfabriken sind sicher nicht an dir vorrüber gegangen. Möchtest du diese Art zu wirtschaften wirklich weiterhin unterstützen? Wenn die Leute aufhören Billigfleisch zu kaufen, wird die Billigfleisch-Industrie mit ihren widerwärtigen Methoden keine Abnehmer mehr finden. Dahin ist ein weiter Weg, aber jeder Beitrag zählt.

Letztlich isst du vielleicht etwas weniger Fleisch, wenn überhaupt, aber dafür bessere Qualität und sozial nachhaltiger.

Die Aufgabe von Ökonomen und Politikern

Immer noch messen wir unsere Wirtschaft mit Maßzahlen, die nichts mit der erlebten Realität der meisten Menschen zu tun haben. Unsere Aktienindizes sagen vielleicht etwas über eine kleine Gruppe Menschen aus, die ihr Geld im Markt investiert haben. Das ist leider immer noch eine Minderheit in Deutschland. (Weshalb auch du zur Investor:in werden solltest.) Unser Bruttoinlandsprodukt sagt nichts darüber aus, wie viele Haushalte aufgrund der Ungleichverteilung der Güter überhaupt nicht vom Wachstum profitieren. Und es sind sicher nicht wenige.

Es bleibt die Aufgabe von Ökonomen und Politikern die bevorstehenden Aufgaben anzugehen, das unbedingte Wachstumsstreben grüner zu gestalten, Anreize für nachhaltigeren Konsum zu setzen und uns nicht immer wieder mit denselben schädlichen Methoden zum Geldausgeben zu bewegen, um das Wachstum am Laufen zu halten, während der Planet an allen Ecken brennt.

Aber wenn du weniger, langsamer und nachhaltiger konsumierst, wird am Ende des Monats auch sicher mehr für deine finanziellen Ziele übrig bleiben. So wirst du langsam, aber sicher und mit gutem Gewissen deine finanzielle Unabhängigkeit oder deine eigenen finanziellen Ziele erreichen. Und ganz egal, was du dann vorhast, es sind deine Entscheidungen, die du heute jeden Tag triffst, die dich dahin bringen.

Wie geht’s weiter?

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DER AUTOR

Christian hat Volkswirtschaftslehre und Statistik in Berlin studiert und danach eine Doktorarbeit zur Vermögensverteilung in Deutschland und Europa geschrieben. Daneben arbeitete er an einigen Projekten zu Altersvorsorge und Arbeitsmarkt. Jetzt gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihre Finanzen gut und unabhängig regeln wollen.