Warum und wie führe ich ein Haushaltsbuch?

Warum und wie führe ich ein Haushaltsbuch?

Wie mache ich dir die vielleicht langweiligste Aktivität der Welt schmackhaft? Fangen wir mit dem Warum an.

Warum sollte ich ein Haushaltsbuch führen?

Das Haushaltsbuch gehört zum ersten Schritt in deine finanzielle Unabhängigkeit. Bevor du dir selbst ein Budget für die kommende Zeit gibst und dir überlegst, welche Ziele du damit eigentlich erreichen willst, solltest du wissen, wofür du dein ganzen Geld im Moment normalerweise ausgibst.

Hast du einen Überblick über deine Ausgaben, siehst du meistens von selbst, wie du deine Ausgaben an deine eigenen Wünsche und Ziele anpassen kannst. Fakt ist, die meisten wissen gar nicht, wofür sie ihr Geld ausgeben. Zum Beispiel haben Forscher herausgefunden, dass die Leute ihre Ausgaben fürs eigene Auto systematisch um bis zu 50 Prozent unterschätzen! Für viele lohnt es sich also eigentlich gar nicht und mit einem Carsharing-Abo, den Öffis und einem schicken Fahrrad wären sie vielleicht viel besser bedient!

Du willst also auf jeden Fall erst einmal genau wissen, wofür DU dein Geld ausgibst, um dann im nächsten Schritt darauf mit einem für dich passenden Budget zu reagieren. Zum Beispiel Ausgaben für Gastro runter, aber dafür vielleicht mehr Geld für Aktivitäten mit Freunden einplanen. Deine Ausgaben sollen dich glücklich machen. Es ist auch ein erster Schritt, um mit teuren und vielleicht unliebsamen Gewohnheiten zu brechen. Erkenne dich selbst!

Das Haushaltsbuch dient dir als Grundlage, um dein Finanzbudget zu gestalten.

Wie lange sollte ich ein Haushaltsbuch führen.

Kurze Antwort: So lange wie es dir möglich ist!

Lange Antwort: Du willst auf jeden Fall einen ausreichenden Überblick über deine regelmäßigen Ausgaben über einen längeren Zeitraum haben. Deine Ausgaben sind nicht Monat für Monat identisch, sie ändern sich auch seasonal. Wenn du Ferien hast, gibst du wahrscheinlich für andere Dinge Geld aus als im Alltag. An Weihnachten gibt es Geschenke. Je länger du dich selbst beobachtest, umso besser kannst du danach dein Budget planen und anpassen und wirst dabei nicht von deinen eigenen seasonalen Ausgaben überrascht. Denn wenn du deine Ziele nicht einhältst, führt das bestimmt zu Frust.

Praktischer Tipp für besonders Faule: Mach auf jeden Fall einen vollen Monat, den du für typisch erachtest. Also so wie dein Konsumverhalten normalerweise ist, während du ganz schlichten Alltag hast. Das ist schon sehr repräsentativ und damit kannst du erst einmal dein Budget für die nächste Zeit planen und Ziele festlegen. Am besten hängst du dann aber noch ein paar Monate dran, um einen besseren Überblick zu haben. Und dann lege eine Schätzung für deine saisonalen Ausgaben wie Weihnachten und Urlaubszeit drauf.

Auch wichtig: Sobald wir uns aktiv mit unseren Finanzen beschäftigen, setzt manchmal schon eine Verhaltensänderung ein. Das heißt, durch deine tägliche Rückbesinnung an eventuelle Konsumexzesse werden dir schon viele Dinge bewusst, die du vorher an deinem Verhalten nicht gesehen hast und du beginnst bereits deinen Konsum anzupassen.

Deshalb würde insgesamt sagen: Ein Haushaltsbuch zu führen ist immer eine gute Unterstützung und informativ, aber wenn du wirklich zu faul dafür bist, reichen ein, zwei Monate plus Schätzung für saisonale Ausgaben, damit du einen guten Eindruck hast.

Wie sollte ich meine Ausgaben kategorisieren?

Am besten so, dass es für dich und deine Ausgaben (oder die deines Haushaltes) am meisten Sinn ergibt. Ausgaben, bei denen du sowieso nicht sparen kannst, kannst du zum Beispiel gern gröber zusammenfassen. (Zum Beispiel alle Ausgaben für die Arbeit mit den Fahrten zur Arbeit etc.)

Andere Ausgaben kannst du gern auch feiner unterscheiden. Zum Beispiel Ausgaben für Lebensmittel im Supermarkt, Ausgaben für Gastronomie, Kaffees unterwegs, Drinks beim Ausgehen und so weiter. Zu all diesen Kategorien hast du unterschiedliche Einstellungen und deshalb kannst du auch unterschiedliche hohe Sparpotentiale finden.

Ein Beispiel: Gutes Essen ist dir sehr wichtig und deshalb kaufst du hochwertige Produkte im Supermarkt ein. Aber dein Budget zeigt auch, wie dass du in den letzten Monaten hunderte Euros in Cafés gelassen hast und das ist eigentlich unnötig. Wenn deine Ausgaben für Gastro im Haushaltsbuch hier genauer aufgedrösselt sind, siehst du am Ende des Monats, was du in Zukunft besser machen kannst.

Ich selbst habe im Laufe der Zeit immer wieder Kategorien weggenommen und hinzugenommen, je nachdem wie sich meine Umstände und Prioriäten geändert haben.

Ein paar Beispiele: Lebensmittel, Getränke, Drogierie, Restaurants und Snacks, Cafés, Ausgehen und Drinks, Öffentlicher Nahverkehr, Auto, Kleidung, Bücher, Bildung, Entertainment, Reisen, Geschenke, Wohnen und Instandhalten und so weiter.

Du wirst selbst beim Aufschreiben deiner Ausgaben selbst merken, welche Kategorien du noch brauchst und wo du feiner unterscheiden kannst.

Wie führe ich ein Haushaltsbuch?

Über die einzelnen Möglichkeiten gehe ich gleich ein. Wichtig ist, dass du jeden Tag zu einer festen Zeit wie Frühstück oder vorm Schlafengehen deine Ausgaben der letzten 24 Stunden aufschreibst. Wir neigen dazu nach zwei Tagen schon wieder vieles vergessen zu haben. Wenn du mal einen Tag verpennst, ist das aber nicht wild. Trag es am nächsten Tag nach und nimm dir vor jeden Tag dran zu sitzen. Zumindest für die einige Zeit.

Es ist zum Beispiel extrem hilfreich, wenn du häufig mit Karte oder per Handy bezahlst, einfach die entsprechende App aufzumachen und Dinge nachzutragen, so kann kaum etwas durchrutschen und du musst dich nur noch an die Barausgaben erinnern.

Am Ende des Monats rechnest du deine Ausgaben für alle deine Kategorien wie Ausgehen und Lebensmittel zusammen. Fertig ist dein erster, extrem wertvoller Überblick über deine tatsächlichen monatlichen Ausgaben.

Aber wie und wo genau schreib ich meine Ausgaben auf?

Stift und Notizbuch

Die einfachste und vielleicht auch stressfreieste Methode ist, wenn du dir einen Stift und ein kleines Notizbuch neben das Bett legst oder an den Frühstückstisch und jeden Tag zur selben Zeit deine Ausgaben des Tages reinschreibst. Ein Stichwort, das dir später hilft die korrekte Kategorie zuzuweisen und der Betrag sind genug. Wenn du möchtest, kannst du auch direkt die einzelnen Seiten deines Notizbuchs mit den Kategorien überschreiben, dann musst du später nur noch die jeweiligen Beträge auf einer Seite zusammenrechnen.

Notiz-Apps

Jedes Handy verfügt heutzutage über eine Notiz-App. Das Schöne daran ist, dass du sie jederzeit bei dir trägst und unterm Tag direkt deine Ausgaben aufschreiben kannst. So mache ich das beispielsweise, wenn ich auf Reisen bin und nicht regelmäßig an meinem Rechner, wo ich normalerweise meine Ausgaben vermerke. So vergesse ich nichts und habe auch kaum Arbeit damit unterwegs.

Excel

Ich selbst habe einfach eine Excel-Tabelle auf dem Desktop angelegt, da ich sowieso jeden Tag an meinem Rechner sitze und arbeite. Zwischendurch habe ich dann Items eingetragen zusammen mit dem Betrag und am Ende des Monats die einzelnen Kategorien aufaddiert. Wenn du in Excel geübt bist, ist das vielleicht auch etwas für dich.

Finanz-Apps

Darüber hinaus haben viele Banken mittlerweile Funktionen, die deine Ausgaben automatisch kategorisieren. Vieles wird dabei aber nicht richtig zugeordnet und es ist daher sehr ungenau. Und deine Barausgaben musst du trotzdem irgendwo händisch sammeln. Es ist daher nicht wirklich empfehlenswert.

Budget-Apps

Empfehlenswert für dich sind eher waschechte Budget-Apps, in denen du deine Ausgaben sammelst und direkt eine Kategorie zuweisen kannst. Dann musst du am Ende des Monats nichts selbst zusammen rechnen und bekommst häufig sogar ein paar informative Infografiken dazu. Sieh dich einfach mal im App Store oder bei Google Play um, wenn sich das für dich gut anhört. Wenn du einfach nach „Budget“ suchst, bekommst du eine Reihe von Vorschlägen. Such dir die App aus, die dich anspricht. Eine Erinnerungsfunktion ist dann natürlich defintiv ein Plus!

Was mache ich mit den Infos?

Nach ein paar Monaten, oder ein, zwei repräsentativen Monat, setzt du dich vor die Ergebnisse und lässt die Zahlen auf dich wirken. Bei welchen Ausgaben fühlst du dich gut, wo findest du, dass du zu viel Geld ausgibst für Dinge, die dich eigentlich nicht bereichern oder glücklich machen? Dort sind deine Sparpotenziale. Darauf gehe ich in einem weiteren Artikel zu deinem Budget und deinen finanziellen Zielen genauer ein. Jetzt hast du alles, was du dafür brauchst.

Wie geht’s weiter?

LEITFADEN ALTERSVORSORGE

Wie plane ich ein Budget für mich und meinen Haushalt (und halte mich daran)?

LEITFADEN ALTERSVORSORGE

Was sind ETFs und warum sind sie ein sinnvolles Investmenttool für Altersvorsorge und finanzielle Unabhängigkeit?

DER AUTOR

Christian hat Volkswirtschaftslehre und Statistik in Berlin studiert und danach eine Doktorarbeit zur Vermögensverteilung in Deutschland und Europa geschrieben. Daneben arbeitete er an einigen Projekten zu Altersvorsorge und Arbeitsmarkt. Jetzt gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihre Finanzen gut und unabhängig regeln wollen.